Das Regelfolgeproblem in Wittgensteins „Bemerkungen über die Grundlagen der Mathematik“

Pfisterer, Christoph C. (2001) Regelfolgen und Notwendigkeit. Das Regelfolgeproblem in Wittgensteins Bemerkungen über die Grundlegung der Mathematik. UNSPECIFIED thesis, Universität Wien.

ZITAT:

„In der Anwendung der Regel, wenn wir also konkret handeln, stellt sich die Frage nach dem Weg von der Regel zur richtigen Anwendung nicht. Wir werden nach dem Resultat einer bestimmten Addition gefragt und nennen die Summe. In der Handlung fallen Regel und Anwendung sozusagen zusammen. Damit geben wir natürlich keine Antwort auf die Frage, wie man allgemein einer Regel folgt. Wir beschreiben lediglich, wie wir in einem konkreten Fall vorgehen. “Beschreiben, nicht erklären, ist, was wir wollen!” (Wittgenstein, 1984a, III, §78) Auf den ersten Blick scheint dieses Vorgehen wahrscheinlich ein bisschen unbefriedigend, da es keine allgemeine Aussage über Regelfolgen zulässt. Der Witz einer solchen Beschreibung ist ja gerade, dass nur konkrete Beispiele beschrieben werden können. In diesem und nur in diesem Sinn ist auch Wittgensteins oft zitierter Slogan “meaning is use” zu verstehen. Indem wir einen Ausdruck gebrauchen, kommt ihm eine Bedeutung zu. Dass der Gebrauch die Bedeutung konstituiert, ist bereits wieder eine missverständliche Formulierung, weil sie auf eine Erklärung abzielt. Viele Vertreter der Gebrauchstheorie der Bedeutung machen diese Trennung von Ausdruck und Bedeutung, indem sie danach fragen, was wir mit einem Ausdruck ausdrücken. Was ist der Grund, dass “Frosch” Frosch bedeutet? “Das Schwere ist hier, nicht bis auf den Grund zu graben, sondern den Grund, der vor uns liegt, als Grund zu erkennen.” (Wittgenstein, 1984a, VI, §31) Es ist also nicht der Sprachgebrauch der Grund, dass diesem Ausdruck jene Bedeutung zukommt, sondern im konkreten Sprachgebrauch stellt sich die Frage nach einem allgemeinen Prinzip des Zustandekommens von Bedeutung gar nicht. Dies lässt sich aber nicht mehr als allgemeine Formel festhalten, sondern kann nur an abertausenden Beispielen des konkreten Sprachgebrauchs exemplifiziert werden.“

http://sammelpunkt.philo.at:8080/22/1/pfisterer.pdf

Walter Tydecks. Dialektische Theorie des Satzes nach Peter Ruben

Walter Tydecks. Dialektische Theorie des Satzes

Interpretation und Weiterführung der Prädikationstheorie von Peter Ruben.

Mit der Theorie des Satzes soll der in der Logik der chemischen Sphäre begonnene Weg fortgeführt werden, aus einer rein mechanischen Logik zu einer dialektischen Logik zu gelangen, die nicht neben der mechanischen Logik oder ihr gegenüber steht, sondern aus ihr hervorgeht. Die neueren logischen Arbeiten seit Frege werden nicht als Rückfall hinter den Stand der klassischen Philosophie kritisiert, sondern in ihnen werden neue Erkenntnisse gesehen, die diesen Weg leichter machen. Sie haben von der Untersuchung einzelner Worte oder Begriffe zur Betrachtung von Gesamtheiten von Sätzen geführt (Holismus). Mir geht es in diesem Beitrag um die Frage, welche innere Bewegung sich in den einzelnen Sätzen und ihrem Bezug aufeinander zeigt. Statt nur zu fordern, dass die Sätze objektiv wahr sind und bestimmten Regeln genügen, soll aus ihrer Bewegung die in ihnen verborgene Objektivität gezeigt werden. Das entspricht in meiner Deutung im Großen dem Gedankengang der Begriffslogik von Hegel, die von der Lehre des Begriffs, Urteils und Schlusses über die Objektivität zur mathematischen und dialektischen Methode führt.

Hierin sehe ich mich in den Grundzügen auf einer Linie mit der 1976 veröffentlichten Prädikationstheorie von Peter Ruben (im Folgenden zitiert als “P”), die in veränderter Terminologie dargestellt und interpretiert wird, um Anschluss an neuere Erkenntnisse insbesondere in der Mathematik und Physik zu gewinnen. Er hat die Lehre des Urteils und des Schlusses umgewandelt in eine Theorie der Satzbildung, Terminusbildung (Bildung von Fachbegriffen durch Sätze) und Namensbildung. Mit der Frage, wie Sätze, Fachbegriffe und Namen in Wechselbezug miteinander gebildet werden, ergibt sich eine neue Perspektive, in der das Widerspruchsproblem (Ruben) und die Wahrheit von Sätzen zu sehen sind.

Quelle: http://www.tydecks.info/online/ruben_praedikationstheorie.html

Zu Mario Wingert. „Quantum Top Secret. Die Lösung des Quantenrätsels“

Buch-Auszug von „Quantum Top Secret“ (Mario Wingert) onliNE verfügbar.

Das Buch „Quantum Top Secret“ hatte ich vor 5 Jahren mit grossem Interesse gelesen, es entspricht meinem Denkstil und Mechanismus-skeptischen Weltbild. Es ist mir wieder in den Sinn gekommen, als ich über die Bedeutung der imaginären Zahlen nachgedacht habe. Allerdings sind meine Physik-Kenntnisse zu bescheiden, um einzuschätzen, ob dem Autor die „Lösung des Quantenrätsels“ tatsächlich gelungen ist. Deshalb zitiere ich an dieser Stelle auch noch eine negative, aber interessante amazon.de Kunden-Rezension und überlasse das weitere Urteil der geneigten Leserin:

„Es ist richtig, dass Mathematik physikalische Konzepte nicht ersetzen kann. Aber dann ist es doch nur konsequent, in die Mathematik auch nichts hineinzugeheimnissen. Jedenfalls sind die imaginären Zahlen in keiner Weise den reellen entgegengesetzt, sie haben ja auch eine viel geringere Eigenständigkeit, da sie z.B. unter Multiplikation nicht abgeschlossen sind, das zeigt ja gerade die Gleichung i^2 = -1. Sondern die reellen sind vielmehr in die zusammen mit den imaginären gebildeten komplexen Zahlen eingebettet. Die Wellenfunktion muss komplex sein, da man eine Wellengleichung sucht, deren Dispersionsbeziehung die Formel für die kinetische Energie ist (E = p^2/2m) und die eben nur erster Ordnung in der Zeit ist. Ansonsten bräuchte man höhere Ableitungen.“ Quelle: http://www.amazon.de/review/R2CBPKAGWDOJ87/ref=cm_cr_dp_cmt?ie=UTF8&ASIN=300024252X&channel=detail-glance&nodeID=299956&store=books#wasThisHelpful

Mario Wingert

Kickstart einer neuen wissenschaftlichen Revolution. Das Scheitern des atomistischen Paradigmas in Physik, Chemie und Biologie. Experimentell begründetes Plädoyer für einen umfassenden Paradigmenwechsel in den Naturwissenschaften.

Quantum Enigma Solved

Quelle: http://www.anatomy-of-emptiness.de/projekt01/media/futureconcepts/Quantum-Enigma-Solved_Zusammenfassung-2015_deutsch.pdf

Zu Cornelius Castoriadis. „Das Imaginäre im Sozialen“

Harald Wolf (Hg.): Das Imaginäre im Sozialen. Zur Sozialtheorie von Cornelius Castoriadis

Göttingen: Wallstein Verlag 2012, 136 Seiten, Euro 24,90

Rezensionsessay von Karl Reitter

„Dem aus Griechenland stammenden und ab dem Endes des II. Weltkriegs in Paris lebenden Philosophen und Psychoanalytiker Cornelius Castoriadis (1922 – 1997) blieb der große Durchbruch bis dato versagt. Ursprünglich Trotzkist wandte er sich in den 50er und 60er Jahren immer stärker vom Marxismus ab um seine eigene, höchst eigenständige und originelle Philosophie zu entwickeln. Als Mitherausgeber der einflussreichen Zeitschrift Sozialismus oder Barbarei (socialisme ou barbarie), bei der auch unter anderem Claude Lefort, Jean-François Lyotard sowie Edgar Morin mitwirken, entwickelte Castoriadis Ideen, die er zusammenfassend in seinem Hauptwerk Gesellschaft als imaginäre Institution publizierte (…)“

Quelle: http://www.grundrisse.net/grundrisse44/Das_Imaginaere_im_Sozialen.htm

Peter Decker – Die Methodologie kritischer Sinnsuche

Peter Decker. Die Methodologie kritischer Sinnsuche. Systembildende Konzeptionen Adornos im Lichte der philosophischen Tradition

Ein Text aus den Achtzigerjahren aus dem Umfeld der früheren „Marxistischen Gruppe“, die mich – nebst den Theorien von Robert Kurz und der „Situationistischen Internationale“ – intellektuell und politisch nachhaltig beeinflusste, hauptsächlich wegen der grundsätzlich kritischen Stossrichtung gegenüber philosophischer Sinnsuche.

Ein offenkundiges Problem von Theodor W. Adorno war, dass er nie genau bestimmte, was eigentlich das Negative an seiner negativen Dialektik ist. Es ist klar, dass eine allgemeine Theorie darüber die Technik des Rechnens mit negativen Grössen mit behandeln müsste. Mathematik war indessen keine Stärke Adornos, worauf folgende Passage in den „Minima Moralia“ hinweist:

„Wer alt und im Bewußtsein des gleichsam schuldenlosen Gelingens stürbe, wäre insgeheim der Musterknabe, der mit unsichtbarem Ranzen auf dem Rücken alle Stadien ohne Lücken absolviert. Jedem Gedanken jedoch, der nicht müßig ist, bleibt wie ein Mal die Unmöglichkeit der vollen Legitimation einbeschrieben, so wie wir im Traum davon wissen, daß es Mathematikstunden gibt, die wir um eines seligen Morgens im Bett willen versäumen, und die nie mehr sich einholen lassen. Der Gedanke wartet darauf, daß eines Tages die Erinnerung ans Versäumte ihn aufweckt und ihn in die Lehre verwandelt.“

Th. W. Adorno, Minima Moralia, 1944

Wenn aber das Negative bei Adorno notwendig unbestimmt bzw. unterbestimmt blieb (vom Begriff der „Dialektik“ ganz zu schweigen), was unterscheidet es denn vom Sein der Ontologen bzw. von der Positivität (dem Faktum) der Positivisten? In einem gewissen Sinne könnte man sagen, dass Adorno dort aufhört, wo Hegel anfängt (was auch ein weiterer berühmter Aphorismus in den „Mimima Moralia“ nahelegt).

 

 

The Historical Development of Marxist Interpretations of the Law of Value (Lord Keynes)

Eine doxographische Übersicht der Entwicklung der marxistischen Werttheorie, vom sozialdemokratischen und post-keynesianischen Blogger "Lord Keynes". Eines meiner Hobbys ist das Kreisschwimmen, und ich habe mich schon öfters gefragt, ist das was ich da mache nun in einem marxistischen Sinn Arbeit oder Zirkulation, keines von beidem oder etwa beides zugleich? Laut Peter Ruben unterschlägt Karl Marx im "Kapital", dass auch die Transportarbeit eine Arbeit ist; oder vielmehr: er beraubt den Handel jeglicher physikalischer Charakteristik. Ein Problem mit der marxschen Arbeitswertlehre sehe ich persönlich darin, dass es nicht offenkundig ist, dass der Kapitalismus ein thermodynamisch offenes System ist (da nicht klar ist, was sich "jenseits" des Kapitalismus befindet). Wenn der Kapitalismus jedoch thermodynamisch geschlossen (!) sein sollte, dann kann Energie (Wert) tatsächlich nur zirkuliert (umverteilt) werden, nicht neu geschaffen oder vernichtet. "Produktion" und "Konsumtion" wären also nur Erscheinungsformen der "Zirkulation". In diesem Fall gäbe es keine eindeutige Gegentendenz zum Anstieg der Ungleichheit in der Gesellschaft, kein Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate und kein notwendiges Ende der Geschichte in einer klassenlosen Gesellschaft.

The Historical Development of Marxist Interpretations of the Law of Value (Lord Keynes)

In essence, after Marx and Engels’ death Marxists held various positions, as follows:
(1) The law of value in volume 3 of Capital
 Many Marxists followed volume 3 of Capital and gave up the view that commodity prices tend to equal pure labour values (which was the theory in volume 1). Instead, they defended the view of volume 3 that the “law of value” only ultimately and indirectly explains prices, and defended Marx’s three aggregate equalities:

(1) the sum of surplus value = sum of profits;

(2) the sum of values = sum of prices, and

(3) the value rate of profit = the money rate of profit.

These aggregate equalities were asserted as true as Marx’s attempt to transform labour values into prices of production.
Bohhm-Bawerk later usefully summarised Marx’s various attempts to salvage the law of value in volume 3 of Capital as follows:

“First argument: even if the separate commodities are being sold either above or below their values, these reciprocal fluctuations cancel each other, and in the community itself—taking into account all the branches of production—the total of the prices of production of the commodities produced still remains equal to the sum of their values (III, 188).

Second argument: the law of value governs the movement of Prices, since the diminution or increase of the requisite working time makes the prices of production rise or fall (III, 208, 211).

Third argument: the law of value, Marx affirms, governs with undiminished authority the exchange of commodities in certain ‘primary’ stages, in which the change of values into prices of production has not yet been accomplished.

Fourth argument: in a complicated economic system the law of value regulates the prices of production at least indirectly and in the last resort, since the total value of the commodities, determined by the law of value, determines the total surplus value. The latter, however, regulates the amount of the average profit, and therefore the general rate of profit (III, 212).” (Böhm-Bawerk 1949: 32).

It is curious that many Marxists forgot about the Third Argument: that commodities tended to exchange at their true labour values in pre-modern forms of commodity exchange. This was defended by Engels in his “Supplement and Addendum” to volume 3 of Capital of 1895 (Engels 1991 [1895]), and also defended by a few Marxists after his time as I note here.
At any rate, this interpretation of Marx, from volume 3, dominated Marxist thought both in the West and in Russia until WWII (Nitzan and Bichler 2009: 99).
(2) Simultaneous Dual System Interpretation
  A revolution came with the work of Ladislaus von Bortkiewicz (1868–1931), Vladimir Karpovich Dmitriev (1868–1913) and Mikhail Ivanovich Tugan-Baranovsky (1865–1919).
We turn again to Marx’s three aggregate equalities:

(1) the sum of surplus value = sum of profits;

(2) the sum of values = sum of prices of production, and

(3) the value rate of profit = the money rate of profit.

The work of Ladislaus von Bortkiewicz showed that two of the three aggregate equalities defended by Marx in volume 3 of Capital fail, and that the sum of surplus value = sum of profits quality cannot be defended unless under very special assumptions (see Bortkiewicz 1906; 1907a; 1907b; 1907c; English translations in Bortkiewicz 1949 and 1952; see also here). Even worse, Bortkiewicz’s work suggested that the tendency to a falling rate of profit is wrong too (Kliman 2006: 47).
Bortkiewicz’s new model adopted a dual-system view that contended that labour values and prices of production are determined entirely separately, so that the transformation problem is avoided (Nitzan and Bichler 2009: 108).
When the work of von Bortkiewicz was translated and become known in the West, a number of Marxists adopted his view. Paul M. Sweezy (1910–2004), the author of The Theory of Capitalist Development. Principles of Marxian Political Economy (1946, London), was the most influential.
The reformed interpretations of Marx by both Ladislaus Bortkiewicz (1868–1931) and Paul M. Sweezy (1910–2004) have been seen by some as proto-Sraffian and having anticipated aspects of Sraffa’s own re-interpretation of Classical Political Economy (Mongiovi 2002: 395).
However, Ian Steedman (1977), building on the work of Sraffa, demonstrated that labour value itself was not only redundant since physical quantities of commodities can determine the profit rate, but also, in a devastating point, capable of being negative in joint production process even when prices and profit rates are positive (Nitzan and Bichler 2009: 101). The Dual System interpretation, and indeed the very labour theory of value itself, is destroyed under such a critique (Keen 2011: 426–443; Nitzan and Bichler 2009: 101).
(3) Temporal Single System Interpretation (TSSI) Marxism
  This emerged in the 1980s as a new generation of Marxists surveyed the wreckage of previous interpretations of Marx’s economic theory.
Temporal Single System Marxists argue that Bortkiewicz’s criticisms of Marx apply only to a Classical long-period equilibrium interpretation of Marx’s value theory, and that this long period interpretation is wrong and a misrepresentation of Marx’s views (Mongiovi 2002: 409).
TSSI also treats factor input prices in a temporal and not simultaneous manner (Nitzan and Bichler 2009: 106). The orthodox “simultaneous” treatment of the prices of factor inputs holds that they should be measured by current prices at the time of final production of the output commodity and not at their prices when purchased. The TSSI instead holds that prices and labour value of factor inputs should be measured at the time at which they were purchased (Nitzan and Bichler 2009: 107).
However, the TSSI simply assumes labour value equal prices, as Nitzan and Bichler argue:

… the single system articulated by the TSSI does not have prices and values. It has prices as values. The distinction is crucial. The conventional Marxist approach argues that labour values are the cause of prices. This causal link is meaningful because the definitions of the two magnitudes are different. Prices are counted in money, whereas values are counted in labour time. The two magnitudes could be used interchangeably – but only if the theory is correct.

The setup of the TSSI is completely different. Here, there is no point in asking whether or not prices are equal to values, simply because values are defined by market prices.” (Nitzan and Bichler 2009: 107–108).

If the TSSI simply defines labour values as equal to price by definition then it badly misunderstands Marx, who derived prices from labour values, whether (1) in volume 1 of Capital where commodity prices tend to equal labour values, or (2) in volume 3 where labour values are transformed into prices of production.
Moreover, Mongiovi charges the Temporal Single System Interpretation with the following flaws and errors:

(1) the concept of labour value, contrary to Marx, is reduced by the Temporal Single System Interpretation merely to price (Mongiovi 2002: 406, n. 20);

(2) the Temporal Single System Interpretation’s attempt to deny that Marx’s economics was in the tradition of long period Classical equilibrium theory is wrong (Mongiovi 2002: 402, 412).

(3) the Temporal Single System Interpretation attempts to defend the propositions that the (1) sum of profits equals the sum of surplus value and (2) the sum of prices equals the sum of values by reducing this to an idiosyncratic and empirically empty pure mathematical identity that is a sleight of hand (in other words, by an analytic mathematical propositions merely true by definition) (Mongiovi 2002: 405–406, 413);

(4) Temporal Single System Interpretation Marxists focus on random passages in Marx and take these passages out of context to prove their own idiosyncratic ideas (Mongiovi 2002: 409–411).

On (2), there seems to be good evidence that Marx really did conceive his economic theories firmly in the Classical long-run equilibrium position. For example, the evidence for how Marx regarded “average price,” “cost-price” or “price of production” as the long run Classical “natural price” is superbly presented in Fred Moseley’s paper “Marx’s Concept of Prices of Production: Long-Run Center-of-Gravity Prices,” which demonstrates how the Temporal Single System Interpretation badly misunderstands Marx’s concept of the “price of production.”
If correct, then TSSI is fatally flawed by its own incompetent misunderstanding of Marx, and reduces to an empty tautological theory with no explanatory power and adds nothing of any importance to economic science.
(4) the New Interpretation (NI) of Gerard Dumenil, A. Lipietz, and Duncan Foley
 The New Interpretation (NI) of Marx by Duncan Foley and Gérard Duménil emerged in the 1980s and appears to dispense entirely with any attempt to transform labour values into prices by conflating values with prices.
(5) Michael Heinrich’s “New German Reading of Marx.”
  This is presented in Michael Heinrich’s book An Introduction to the Three Volumes of Karl Marx’s Capital (2012).
Heinrich’s interpretation, however, disputes that there is any tendency for the rate of profit to fall in capitalism and seems in some respects to morph into Keynesianism, as analysed here. How Heinrich understands labour values is unclear to me.
Addendum: I am unsure if Anwar Shaikh, Fred Moseley, Alan Freeman, Makoto Itoh and Dominique Levy are also followers of the New Interpretation (NI), but I have read that they share similar views on the transformation Problem.

Quelle: http://socialdemocracy21stcentury.blogspot.ch/2016_01_01_archive.html

Anerkennung oder Selbsterhaltung? (Alfred Flacke)

 

Kurze Einführung in eine neue Theorie der Herrschaft

Seit dem zwanzigsten Jahrhundert wird die Endlichkeit der Erde unübersehbar und die Vergeudung ihrer Ressourcen wird zum unwiederbringlichen Verlust. Menschen zerstören weltweit ihre eigene Lebensgrundlage. 

Aber seit der nicht enden wollenden Finanzkrise wächst auch ein neues Bewusstsein für die Notwendigkeit, unsere Beziehung zur Welt und damit unser Denken, Fühlen und Handeln grundsätzlich zu verändern. Wir wollen verstehen, wie wir das Leben auf dieser Erde erhalten und menschenwürdig gestalten können. Doch Herrschaft und Konkurrenz verhindern die unerlässliche freie Zusammenarbeit. Sie sind tatsächlich überflüssig, aber sie wirken scheinbar unausrottbar und viele glauben, Machtgier und Herrschsucht gehörten zur menschlichen Natur. Aber gerade dadurch wird ihr verhängnisvolles Wirken verlängert. 

Aber auch Solidarität ist nicht länger eine Utopie, sie ist zur Überlebensmaxime der Menschheit geworden.

In Anbetracht dieser Lage formuliere ich einige Thesen zur Entstehung und zum Wirken von Herrschaft. Sie werden in meiner Dissertation über „Anerkennung oder Selbsterhaltung“ ausführlich erörtert. Die wichtigsten, will ich hier kurz vorstellen.

Die bürgerliche, aufgeklärte Form der zivilisierten, durch Herrschaft bestimmten Gesellschaft ist seit der Neuzeit durch eine universale Ausdehnung von Herrschaft auf alle Lebensbereiche charakterisiert. Tatsächlich war schon ihre Etablierung in der Zivilisation ein langwieriger und schwieriger Prozess. In einem Buch, das ich auf einer der folgenden Seiten vorstelle, habe ich in möglichst verständlicher Weise einiges davon zusammengestellt, was wir darüber heute wissen. (BUCH)

Die zunehmende Dominanz der Individualität in der Selbstwahrnehmung bürgerlicher Menschen bei gleichzeitig zunehmender Bedeutungslosigkeit des Individuums im System der Ökonomie wird sichtbar in neuen Formen herrschaftlicher Systeme, vor allem in der kapitalistischen, auf individuellen Lohn und Gewinn zielenden Arbeit. Bürgerliche Individuierung geschieht mittels inszenierter, Konkurrenz produzierender Selbsterhaltung und in pseudoindividualisierender Ich-Inszenierung in der Produktion/Reproduktion der Gesellschaft. Herrschaft wirkt in der Struktur der Gesellschaft und im Wahrnehmen, Denken und Handeln der durch sie geprägten Individuen. Sie ist der zentrale Motor des bürgerlichen Sozialisierungs- und Individuierungsprozesses. 

Hegel beschreibt die Selbstwerdung schon vor zweihundert Jahren als durch Herrschaft bestimmte Anerkennung, in der Kampf und Liebe, Selbstbehauptung und Selbstaufgabe das Ich formen. In ihr verwirklicht sich die Herrschaft, in welcher ein Wille zur Macht auf einen Willen zur Ohnmacht trifft. Vor diesem Hintergrund erscheint aber zugleich eine solidarische, herrschaftslose Menschheit als denkbare Alternative, welche individuelle Freiheit mit freier Kooperation verbindet. Herrschaft lässt sich so als Perversion eines ursprünglich solidarischen Verhaltens erkennen. 

Ein verbreitetes Verhalten wie „Selbsterhaltung“ gilt vielen vermutlich auch wegen seiner Verbreitung als „Naturgesetz“. Dasselbe gilt auch für die Begründung scheinbar allgegenwärtiger Herrschaft. Universale Verbreitung und die alles durchdringende Wirkung von Herrschaft bestätigen aber keine Naturgesetze. Auch die Basis bürgerlicher Ökonomie, die konkurrenzbestimmte Individuation in zivilisierten Gesellschaften lässt sich nicht als solches nachweisen. Dabei wird nämlich außer Acht gelassen, dass die seit langem bestehenden, verfestigten Formen und Systeme der „Selbsterhaltung“ von Staaten und Individuen konkurrenzfreie Alternativen gar nicht erst zulassen. Nicht zufällig ist die Kennzeichnung als „Selbsterhaltung“ als Begründung der Teilnahme an diesen Systemen plausibel, denn offensichtlich wird jedes abweichende Verhalten zur Gefährdung des Individuums. 

Herrschaft wird in der Regel als staatliche verstanden. Sie sichert die Machtausübung auf Dauer durch grundsätzliches Einverständnis (Konsens) der Beherrschten, die also von ihrer Legitimität überzeugt werden müssen. Nach meiner Ansicht äußert sie sich zwar auch als staatliche Herrschaft, sie funktioniert und reproduziert sich aber auf der Basis einer andauernden und umfassenden herrschaftlichen Formierung der Mitglieder der bestehenden Herrschaftsgesellschaften.

Herrschaft ist demnach in zivilisierten (also auch in bürgerlichen) Gesellschaften Ursprung, Ausdruck und Folge herschaftlichen Selbstverständnisses und der Beziehungen ihrer Mitglieder. Sie ist die gelernte Weise der Welt- und Selbstbeziehung des zivilisierten Menschen, also seiner Wahrnehmung, seines Verstehens, seiner Interaktion.

Ursache und Ausdruck (und Indiz) der bestehenden Herrschaft ist ein in der zivilisierten und erst recht in der bürgerlichen Gesellschaft wirkender, grundsätzlicher Widerspruch, den ich folgendermaßen darstellen möchte: Die hochgradig arbeitsteilige Produktion und Reproduktion der Gesellschaft und ihrer Mitglieder beruht auf gesellschaftlicher Kooperation und zugleich und im äußersten Widerspruch dazu auf individueller Konkurrenz. Damit die prinzipielle Konkurrenz die unverzichtbare Kooperation nicht zerstört, wird diese durch Herrschaft gesichert. Es ist dieselbe Herrschaft, welche die zerstörerische Konkurrenz hervorruft. 

Die notwendig erscheinende, aber katastrophale Folgen erzeugende Herrschaft wäre also überflüssig, wenn die selbstverständliche Kooperation nicht durch Unfreiheit und Konkurrenz zugleich erzeugt und grundsätzlich gefährdet wäre. Aber ist das überhaupt vermeidbar? Wenn die Kooperation – frei oder unfrei – sich in der Evolution des Menschen herausgebildet und erhalten hat, bezeugt das ihre Notwendigkeit für die menschliche Art. Ihre evolutionäre Durchsetzung bedeutet auch, dass nicht kooperierende Gruppen nicht überleben konnten. Nach den Erkenntnissen der Naturwissenschaft ist die gleichzeitige dauerhafte Entwicklung eines völlig entgegengesetzten, also unkooperativen Verhaltens in derselben Art extrem unwahrscheinlich.

Die übliche These, dass eine Art, die nur durch Kooperation überleben konnte, ein Verhalten individueller „Selbst“-erhaltung, also prinzipieller, auf Elimination des anderen zielender Konkurrenz entwickelt hätte, erweist sich also als absurd.

Die These schließlich, konkurrenzbestimmte, unfreie und herrschaftsförmige Individuation sei als nachträgliche Störung der freien Kooperation, also eines erfolgreichen Modells der Evolution, entstanden, halte ich für wahrscheinlich. Nach meiner Auffassung ist die individuelle Konkurrenz aber zugleich Ursache, Ausdruck und Folge der Herrschaft; derselben Herrschaft, die die von ihr erzeugte kooperationsschädliche Form der Individuation, in der sie zur Erscheinung kommt, kontrollieren soll.

Herrschaft hat demnach einen Anfang am Beginn der Zivilisation. Ich vermute, dass es vor der herrschaftlichen Zivilisation alternative, herrschaftslose Gemeinschaften gegeben hat, die, nach der Entstehung von herrschaftsbestimmten Gesellschaften, durch diese ohne deutlich sichtbare Spuren zu hinterlassen, unterworfen wurden.

Vermutlich wird die herrschaftliche Störung der Evolution, also die derzeitige Herrschaftsordnung der Welt, vergehen, wie das Patriarchat sich nach Jahrtausenden unbestrittener Herrschaft bereits auflöst.

Die solidarische Alternative ist nicht das arbeitsfreie Paradies, wie es die Bibel in der Interpretation von Zwangsarbeitern darstellt. Ohne Herrschaft müssen wir auch nicht eine Gesellschaft von in unzivilisierte „Natur“ zurückfallenden „Barbaren“ werden. Vermutlich liegt die Zukunft der Menschheit in der Gemeinschaft der ihre natürliche Verwandtschaft und Abhängigkeit bejahenden und sorgsam und kooperativ in gemeinsame und zugleich individuelle Freiheit verwandelnden Menschen.

Möglicherweise kann die erneuerte Demokratie in der wiedergewonnenen Solidarität der Menschen „aufgehoben“ werden. Im Hinblick auf die Kürze der geschichtlich überblickbaren Zeit und damit auf die ebenso kurze Dauer der herrschaftlichen Zivilisation angesichts der Zeitdimensionen im evolutionären Maßstab scheint die Evolution menschlicher Gesellschaft noch offen. Ist Herrschaft also tatsächlich eine Störung des Prozesses, wird sie verschwinden – oder die menschliche Art. (…)

Quelle:http://www.osnanet.de/alfred.flacke/Anerkennung-oder-Selbsterhaltung.html

Die Situationistische Internationale und die Zeit der Studentenrevolte (SM)

„Die SituationistInnen waren radikale (Anti-)KünstlerInnen und Intellektuelle, deren Ideen und Praktiken für die Bewegung der Besetzungen im französischen Mai 1968 eine gewichtige Rolle spielte. Der Künstler Asger Jorn und der Filmemacher Guy Debord waren die wichtigsten Gründer und Organisatoren der ‚Internationale Situationniste‘. Wenn diese Internationale im deutschen Sprachraum überhaupt bekannt ist, dann nur wenigen Künstlern, Kunstsammlern und Galeristen, sowie einigen wenigen ganz anders Interessierten aus einer jüngeren Generation, die die situationistische Propaganda im Mai 1968 oder später gefunden und schätzen gelernt hatten. Auch wer die Situationistische Internationale nicht kennt, hat vielleicht schon Sätze gehört wie „Arbeitet Nie!“ oder „Genießen ohne Hemmungen!“, die zu emblematischen Losungen der Revolte wurden…“

Die verlinkte Seminararbeit entstand 2009 aus einem Vortrag heraus, den ich 2006 an der Universität Fribourg (Schweiz) im Fach Geschichte zu der Achtundsechziger-Bewegung gehalten hatte. Selbstverständlich distanziere ich mich von meinen damals vertretenen politischen und auch sonstigen Überzeugungen.

Die Situationistische Internationale und die Zeit der Studentenrevolte (S.M.)

You are free to:

  • Adapt — remix, transform, and build upon the material
  • for any purpose, even commercially.
  • The licensor cannot revoke these freedoms as long as you follow the license terms.

Under the following terms:

  • Attribution — You must give appropriate credit, provide a link to the license, and indicate if changes were made. You may do so in any reasonable manner, but not in any way that suggests the licensor endorses you or your use.
  • ShareAlike — If you remix, transform, or build upon the material, you must distribute your contributions under the same license as the original.
  • No additional restrictions — You may not apply legal terms or technological measures that legally restrict others from doing anything the license permits.

Notices:

  • You do not have to comply with the license for elements of the material in the public domain or where your use is permitted by an applicable exception or limitation.
  • No warranties are given. The license may not give you all of the permissions necessary for your intended use. For example, other rights such as publicity, privacy, or moral rights may limit how you use the material.

Gummibärchen an der Generalversammlung (SM)

Ein persönlicher Bericht zur Besetzung der Sorbonne, Paris 2006 mit Fotos, Kommentaren und umfangreicher Dokumentation zur Studenten- und Arbeiterbewegung im Anhang

Ich habe vom September 2005 bis August 2006 ein Jahr in Paris an der Universität Sorbonne Paris IV studiert (Geschichte und Germanistik) und im Maison de Norvège der Cité Universitaire Internationale de Paris gewohnt. Selbstverständlich distanziere ich mich von meinen damals vertretenen politischen und auch sonstigen Überzeugungen. Namen von realen Personen wurden geändert.

Gummibärchen an der Generalversammlung (S.M.)

You are free to:

  • Adapt — remix, transform, and build upon the material
  • for any purpose, even commercially.
  • The licensor cannot revoke these freedoms as long as you follow the license terms.

Under the following terms:

  • Attribution — You must give appropriate credit, provide a link to the license, and indicate if changes were made. You may do so in any reasonable manner, but not in any way that suggests the licensor endorses you or your use.
  • ShareAlike — If you remix, transform, or build upon the material, you must distribute your contributions under the same license as the original.
  • No additional restrictions — You may not apply legal terms or technological measures that legally restrict others from doing anything the license permits.

Notices:

  • You do not have to comply with the license for elements of the material in the public domain or where your use is permitted by an applicable exception or limitation.
  • No warranties are given. The license may not give you all of the permissions necessary for your intended use. For example, other rights such as publicity, privacy, or moral rights may limit how you use the material.