Peter Decker – Die Methodologie kritischer Sinnsuche

Peter Decker. Die Methodologie kritischer Sinnsuche. Systembildende Konzeptionen Adornos im Lichte der philosophischen Tradition

Ein Text aus den Achtzigerjahren aus dem Umfeld der früheren „Marxistischen Gruppe“, die mich – nebst den Theorien von Robert Kurz und der „Situationistischen Internationale“ – intellektuell und politisch nachhaltig beeinflusste, hauptsächlich wegen der grundsätzlich kritischen Stossrichtung gegenüber philosophischer Sinnsuche.

Ein offenkundiges Problem von Theodor W. Adorno war, dass er nie genau bestimmte, was eigentlich das Negative an seiner negativen Dialektik ist. Es ist klar, dass eine allgemeine Theorie darüber die Technik des Rechnens mit negativen Grössen mit behandeln müsste. Mathematik war indessen keine Stärke Adornos, worauf folgende Passage in den „Minima Moralia“ hinweist:

„Wer alt und im Bewußtsein des gleichsam schuldenlosen Gelingens stürbe, wäre insgeheim der Musterknabe, der mit unsichtbarem Ranzen auf dem Rücken alle Stadien ohne Lücken absolviert. Jedem Gedanken jedoch, der nicht müßig ist, bleibt wie ein Mal die Unmöglichkeit der vollen Legitimation einbeschrieben, so wie wir im Traum davon wissen, daß es Mathematikstunden gibt, die wir um eines seligen Morgens im Bett willen versäumen, und die nie mehr sich einholen lassen. Der Gedanke wartet darauf, daß eines Tages die Erinnerung ans Versäumte ihn aufweckt und ihn in die Lehre verwandelt.“

Th. W. Adorno, Minima Moralia, 1944

Wenn aber das Negative bei Adorno notwendig unbestimmt bzw. unterbestimmt blieb (vom Begriff der „Dialektik“ ganz zu schweigen), was unterscheidet es denn vom Sein der Ontologen bzw. von der Positivität (dem Faktum) der Positivisten? In einem gewissen Sinne könnte man sagen, dass Adorno dort aufhört, wo Hegel anfängt (was auch ein weiterer berühmter Aphorismus in den „Mimima Moralia“ nahelegt).