Das Regelfolgeproblem in Wittgensteins „Bemerkungen über die Grundlagen der Mathematik“

Pfisterer, Christoph C. (2001) Regelfolgen und Notwendigkeit. Das Regelfolgeproblem in Wittgensteins Bemerkungen über die Grundlegung der Mathematik. UNSPECIFIED thesis, Universität Wien.

ZITAT:

„In der Anwendung der Regel, wenn wir also konkret handeln, stellt sich die Frage nach dem Weg von der Regel zur richtigen Anwendung nicht. Wir werden nach dem Resultat einer bestimmten Addition gefragt und nennen die Summe. In der Handlung fallen Regel und Anwendung sozusagen zusammen. Damit geben wir natürlich keine Antwort auf die Frage, wie man allgemein einer Regel folgt. Wir beschreiben lediglich, wie wir in einem konkreten Fall vorgehen. “Beschreiben, nicht erklären, ist, was wir wollen!” (Wittgenstein, 1984a, III, §78) Auf den ersten Blick scheint dieses Vorgehen wahrscheinlich ein bisschen unbefriedigend, da es keine allgemeine Aussage über Regelfolgen zulässt. Der Witz einer solchen Beschreibung ist ja gerade, dass nur konkrete Beispiele beschrieben werden können. In diesem und nur in diesem Sinn ist auch Wittgensteins oft zitierter Slogan “meaning is use” zu verstehen. Indem wir einen Ausdruck gebrauchen, kommt ihm eine Bedeutung zu. Dass der Gebrauch die Bedeutung konstituiert, ist bereits wieder eine missverständliche Formulierung, weil sie auf eine Erklärung abzielt. Viele Vertreter der Gebrauchstheorie der Bedeutung machen diese Trennung von Ausdruck und Bedeutung, indem sie danach fragen, was wir mit einem Ausdruck ausdrücken. Was ist der Grund, dass “Frosch” Frosch bedeutet? “Das Schwere ist hier, nicht bis auf den Grund zu graben, sondern den Grund, der vor uns liegt, als Grund zu erkennen.” (Wittgenstein, 1984a, VI, §31) Es ist also nicht der Sprachgebrauch der Grund, dass diesem Ausdruck jene Bedeutung zukommt, sondern im konkreten Sprachgebrauch stellt sich die Frage nach einem allgemeinen Prinzip des Zustandekommens von Bedeutung gar nicht. Dies lässt sich aber nicht mehr als allgemeine Formel festhalten, sondern kann nur an abertausenden Beispielen des konkreten Sprachgebrauchs exemplifiziert werden.“

http://sammelpunkt.philo.at:8080/22/1/pfisterer.pdf